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Ratgeber · KI

EU-AI-Act-Checkliste für KMU — was Sie jetzt tun müssen

Lesezeit ca. 10 Minuten · Aktualisiert Juni 2026 · von Martin Hofmann

Kurz erklärt

Die EU-KI-Verordnung (EU-AI-Act) trat am 02.08.2024 in Kraft und wird gestaffelt scharf-geschaltet. Seit dem 02.02.2025 gelten zwei zentrale Pflichten für jedes KMU: die KI-Schulungs-Pflicht für alle Mitarbeitenden, die KI nutzen (Art. 4), sowie die Verbots-Tatbestände für bestimmte KI-Anwendungen. Ab 02.08.2026 folgen Transparenz-Pflichten und – gestaffelt bis 2027 – die strengen Pflichten für Hoch-Risiko-KI. KMU-Realität: Die meisten Mittelständler nutzen niedrige oder begrenzte Risiko-KI – Hauptaufwand ist Schulung und Transparenz, nicht großflächige Compliance.
Checkliste auf Klemmbrett neben Laptop – EU-AI-Act-Pflichten Punkt für Punkt abhaken

Was der EU-AI-Act ist

Die EU-KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689, kurz EU-AI-Act) ist die erste umfassende Regulierung von KI weltweit. Sie wurde am 13.06.2024 verabschiedet und trat am 02.08.2024 in Kraft. Die Verordnung arbeitet mit einem risiko-basierten Ansatz: KI-Systeme werden in vier Risiko-Klassen eingeteilt, und die Pflichten skalieren mit dem Risiko.

Wer ist betroffen

  • Alle Unternehmen mit Sitz in der EU, die KI entwickeln oder nutzen
  • Alle Unternehmen außerhalb der EU, deren KI-Systeme in der EU genutzt werden oder deren Output in der EU verwendet wird

In Deutschland sind praktisch alle Unternehmen betroffen, sobald sie KI im operativen Geschäft einsetzen – auch eine reine ChatGPT-Nutzung gilt.

Die vier Risiko-Klassen

Der gesamte EU-AI-Act steht und fällt mit der Frage, in welche Klasse ein KI-System fällt. Diese vier Stufen sollten Sie kennen:

KlasseBeispielePflichten
Verbotene KISocial Scoring durch Behörden, manipulative Emotions-Erkennung, kognitive Verhaltens-Manipulation bei VulnerablenVerboten seit 02.02.2025
Hoch-Risiko-KIPersonal-Auswahl, Kredit-Scoring, kritische Infrastruktur, biometrische Identifikation, Bildungs-Entscheidungen, medizin-relevante KIStrenge Compliance ab 02.08.2026/2027
Begrenztes RisikoChatbots, KI-generierte Inhalte (Bilder, Texte, Videos), DeepfakesTransparenz-Pflichten ab 02.08.2026
Niedriges RisikoSpam-Filter, KI in Spielen, Standard-Empfehlungs-SystemeFreiwillige Selbst-Verpflichtung

Definition

Was die meisten KMU einsetzen

In der Praxis nutzen die meisten KMU 2026 begrenzte Risiko-KI (ChatGPT, Microsoft Copilot, CompanyGPT-Bots, automatische Übersetzungen) und niedrige Risiko-KI (Spam-Filter, klassische Predictive-Analytics). Hoch-Risiko-KI ist selten – relevant wird sie bei Personal-Auswahl mit automatischer Vorauswahl, Kredit-Scoring, medizinischer Diagnostik, kritischer Infrastruktur oder Bildungs-Bewertungs-Systemen.

Die Stichtage

Die Pflichten greifen nicht auf einen Schlag, sondern gestaffelt:

DatumPflicht
02.08.2024EU-AI-Act in Kraft getreten
02.02.2025Verbots-Tatbestände aktiv – verbotene KI-Praktiken nicht mehr zulässig
02.02.2025Schulungs-Pflicht (Art. 4) aktiv – alle Mitarbeitenden mit KI-Kontakt müssen geschult sein
02.08.2026Transparenz-Pflichten für begrenzte Risiko-KI (Chatbots, generative Inhalte)
02.08.2026 / 02.08.2027Hoch-Risiko-KI: zusätzliche Compliance-Pflichten (Risk-Management, Daten-Governance, Dokumentation, menschliche Aufsicht, Cybersicherheit)
02.08.2027Allgemeine Übergangs-Phase endet

Die KMU-Checkliste in 8 Schritten

So gehen Sie die EU-AI-Act-Compliance der Reihe nach an – von der Inventur bis zur Audit-Bereitschaft:

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    Schritt 1

    KI-Inventur erstellen

    Listen Sie auf, welche KI-Systeme im Unternehmen genutzt werden: offizielle Tools (Microsoft Copilot, KI-Funktionen in ERP/CRM/DMS), Schatten-KI (private ChatGPT-Accounts, private Übersetzungs-Tools) und KI-Komponenten in Tools, die nicht offensichtlich KI sind (Spam-Filter, OCR, Diktier-Funktionen). Ergebnis: eine Inventur-Liste mit Risiko-Klasse pro System.

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    Schritt 2

    Risiko-Klassifizierung

    Ordnen Sie jedes System einer der vier Klassen zu: verboten, hoch-Risiko, begrenztes Risiko oder niedriges Risiko. Bei Unsicherheit lohnt ein Erstgespräch oder eine Rechtsberatung.

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    Schritt 3

    Verbotene Praktiken stoppen

    Falls Sie verbotene Praktiken einsetzen: sofort einstellen. Dazu zählen Social-Scoring zur Bewertung von Mitarbeitenden oder Kunden, manipulative subliminale Beeinflussung, Emotions-Erkennung am Arbeitsplatz, biometrische Kategorisierung nach sensiblen Merkmalen und das Anlegen von Gesichts-Datenbanken aus ungezieltem Web-Scraping. KMU-Realität: Diese Verbote treffen Sie selten.

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    Schritt 4

    Schulungs-Pflicht erfüllen (Art. 4)

    Pflicht seit 02.02.2025: Alle Mitarbeitenden mit KI-Kontakt müssen geschult sein – zu Funktionsweise, Grenzen und Risiken (Halluzinationen, Bias), DSGVO im KI-Kontext und EU-AI-Act-Grundlagen. Empfohlen sind 2–4 Stunden Präsenz-Grundschulung in Anlehnung an die BeKI-Handlungsleitlinien – ein passendes Format zeigt unsere KI-Schulung nach Art. 4. Die Teilnahme nachweisbar dokumentieren – das ist im Audit der zentrale Compliance-Nachweis.

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    Schritt 5

    Transparenz-Pflichten (ab 02.08.2026)

    Für begrenzte Risiko-KI gilt: Chatbots müssen kennzeichnen, dass es sich um KI handelt; KI-generierte Bilder, Videos und Audios sowie Deepfakes müssen erkennbar markiert sein; KI-Texte zu Fragen von öffentlichem Interesse ebenfalls. Praktisch: Hinweis „KI-gestützt" am Website-Chatbot, Disclaimer bei generierten Newslettern, Kennzeichnung bei Marketing-Bildern.

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    Schritt 6

    Hoch-Risiko-Compliance (nur wenn relevant)

    Falls Sie hoch-Risiko-KI einsetzen oder entwickeln, gilt ab 02.08.2026/2027: Risk-Management-System, Daten-Governance, technische Dokumentation, Aufzeichnungs-Pflichten, Transparenz, menschliche Aufsicht, Genauigkeit/Robustheit/Cybersicherheit, Konformitäts-Bewertung und CE-Kennzeichnung. KMU-Realität: sehr selten relevant – wenn doch (z. B. HR-Tools mit automatischer Vorauswahl), ist externe Beratung sinnvoll.

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    Schritt 7

    DSGVO und EU-AI-Act koppeln

    Beide Regelwerke überschneiden sich: Personenbezogene Daten in KI-Systemen unterliegen DSGVO und EU-AI-Act gleichzeitig, KI-basierte automatisierte Entscheidungen zusätzlich Art. 22 DSGVO. Empfohlen: das Verfahrensverzeichnis um eine KI-Spalte erweitern, bei hoch-Risiko-KI mit Personenbezug eine Datenschutz-Folgenabschätzung.

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    Schritt 8

    Dokumentation und Audit-Bereitschaft

    Halten Sie nachweisbar vor: KI-Inventur-Liste, Risiko-Klassifizierungen, Schulungs-Nachweise pro Mitarbeitenden, Transparenz-Hinweise auf Web/Bots/generierten Inhalten und – bei hoch-Risiko – die vollständige technische Dokumentation.

Kostenloses Tool

Drei Fragen genügen für eine erste Einordnung, welche EU-AI-Act-Pflichten Ihr Unternehmen treffen — zum EU-AI-Act-Check.

Bußgelder – was wirklich droht

Die Verordnung nennt drei Bußgeld-Stufen:

VerstoßMaximales Bußgeld
Verbotene KI-Praktikenbis 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahres-Umsatzes (der höhere Betrag)
Verstoß gegen Hoch-Risiko- oder andere Pflichtenbis 15 Mio. € oder 3 % des Jahres-Umsatzes
Falsche oder irreführende Angaben an Behördenbis 7,5 Mio. € oder 1 % des Jahres-Umsatzes

Für KMU sind die Bußgelder reduziert: Es gilt der genannte Betrag oder der prozentuale Anteil, je nachdem, was niedriger ist (Art. 99 Abs. 6). Praktisch bedeutet das für einen 50-MA-Mittelständler mit 8 Mio. € Umsatz bei einer 7-%-Sanktion 560.000 € – nicht 35 Mio. Aber: Schon 560.000 € sind existenzbedrohend. Compliance ist günstiger.

Wie der Compliance-Check konkret abläuft und was er kostet, zeigt unsere Leistungsseite EU-AI-Act-Beratung & Compliance.

02.02.2025
Schulungs-Pflicht nach Art. 4 in Kraft
35 Mio. €
maximales Bußgeld bei verbotener KI (oder 7 % Umsatz)
4 Klassen
risiko-basierter Ansatz der Verordnung
8 Schritte
KMU-Checkliste bis zur Audit-Bereitschaft

So gehen wir das an

Wir starten mit Ihrer KI-Inventur und der Risiko-Klassifizierung, erfüllen die Schulungs-Pflicht nach Art. 4 mit einer Präsenz-Grundschulung und richten Transparenz- sowie Dokumentations-Prozesse so ein, dass Sie audit-bereit sind. Die DSGVO-konforme Tool-Frage lösen wir gleich mit. Mehr zu unserem Vorgehen: EU-AI-Act-Beratung & Compliance.

FAQ

Häufige Fragen

Müssen wir die Schulungs-Pflicht für jeden Mitarbeitenden einhalten?
Ja, für alle, die mit KI in Berührung kommen. In modernen Unternehmen sind das praktisch alle – auch Buchhaltung mit DATEV-KI-Funktionen oder Office mit Copilot. Praktisch heißt das: Grundschulung für alle Mitarbeitenden.
Wie oft muss die Schulung wiederholt werden?
Die Verordnung nennt keine konkrete Frequenz. Beste Praxis ist eine jährliche Auffrischung, weil sich KI-Tools und KI-Rechtsprechung schnell ändern.
Reicht ein E-Learning für die Schulungs-Pflicht?
Technisch ja. Die BeKI-Handlungsleitlinien empfehlen für KMU-Mitarbeitende aber einen Präsenz-Anteil, weil die Diskussion über Praxis-Fälle effektiver ist. Empfehlung: 2–4 Stunden Präsenz plus jährliche Online-Auffrischung.
Sind kostenlose ChatGPT-Accounts erlaubt?
Mit den meisten Daten ja. Mit personenbezogenen oder unternehmens-vertraulichen Daten nein – das ist primär eine DSGVO-Frage, durch den EU-AI-Act zusätzlich relevant. Besser eine DSGVO-konforme Firmen-Lösung bereitstellen.
Was, wenn unsere Software-Anbieter KI einbauen, ohne uns zu fragen?
Sie als Anwender bleiben verantwortlich. Prüfen Sie bei jedem Software-Update, welche KI-Komponenten hinzukommen. DATEV, Microsoft 365 und ERP-Systeme bauen laufend KI-Funktionen ein.
Macht der EU-AI-Act ChatGPT in Europa illegal?
Nein. ChatGPT ist nicht verboten. Allerdings ist die Nutzung mit personenbezogenen Daten ohne DSGVO-konformes Setup datenschutz-rechtlich kritisch – unabhängig vom EU-AI-Act.
Was passiert, wenn wir nichts tun?
Wenn niemand prüft: nichts. Wenn die Behörde prüft (etwa nach einem DSGVO-Verstoß oder einer Mitarbeiter-Beschwerde): Bußgeld plus Compliance-Auflagen. Wenn ein KI-System schadet (z. B. fehlerhafte Personal-Auswahl): Schadenersatz-Forderungen.
Brauchen wir einen KI-Beauftragten?
Keine zwingende Pflicht, aber empfehlenswert ab etwa 30 Mitarbeitenden – eine Person, die KI-Inventur, Schulungen und Compliance koordiniert.

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