Beratung & Prozesse · Prozessaufnahme
Prozessaufnahme. Die Ist-Situation strukturiert sichtbar machen.
Stufe 1 unseres Vorgehens: bevor digitalisiert oder KI eingesetzt wird, machen wir sichtbar, wie Ihre Prozesse heute wirklich laufen – inklusive Workarounds und Schatten-IT.
Inhalt
Aktualisiert Mai 2026 · ca. 9 Min. Lesezeit · von Martin Hofmann, Geschäftsführer z1Digital
Kurz & direkt
Warum Prozessaufnahme zuerst kommt
Die häufigsten Fehler in Digitalisierungs-Projekten entstehen, weil niemand vorher die Ist-Prozesse strukturiert aufgenommen hat. Vier Muster sehen wir immer wieder:
Fehler 1 – Software einführen, bevor die Prozesse klar sind
Klassisches Bild: Ein Mittelständler kauft ein neues ERP-System, und nach sechs Monaten ist man frustriert – die Software passt nicht zum Prozess, Mitarbeitende umgehen sie, das alte Excel läuft parallel weiter.
Fehler 2 – Den dokumentierten Prozess für den echten halten
In neun von zehn Mittelstand-Aufnahmen finden wir Lücken zwischen Verfahrens-Handbuch und Realität. Mitarbeitende haben Workarounds entwickelt, weil das System nicht das tut, was es laut Handbuch tun soll. Diese Workarounds sind oft die Quelle der Pain-Points – und ohne Aufnahme bleiben sie unsichtbar.
Fehler 3 – Schatten-IT und Schatten-KI übersehen
Excel-Tabellen, die kritische Daten speichern. WhatsApp-Gruppen für die Auftrags-Koordination. ChatGPT-Accounts, mit denen Mitarbeitende Vertrags-Texte verarbeiten. All das ist Teil des realen Prozesses – und gehört in die Aufnahme. Das Risiko privater KI-Nutzung behandeln wir gesondert unter dem Stichwort Schatten-KI.
Fehler 4 – Aufnahme verkommt zur Doku-Bürokratie
Manche Beratungs-Häuser produzieren 200-seitige BPMN-Dokumente, die nach sechs Monaten niemand mehr liest. Wir arbeiten mit BPMN-light – einer pragmatischen Notation, die Geschäftsleitung und Sachbearbeitung gleichermaßen verstehen.
Was wir in der Prozessaufnahme tun
So bringen wir Sie von der ersten Bestandsaufnahme bis zum belastbaren Ist-Dokument – herstellerunabhängig und förderfähig.
- 1 1–2 Tage
Scoping
Welche Prozesse nehmen wir auf? Selten alle – typisch 5–15 zentrale Prozesse, die wirtschaftlich wichtig sind oder Pain-Points verursachen: Eingangs-Rechnungs-Workflow, Angebots-Erstellung, Reklamation, Personal-Onboarding, Monats-Abschluss. Den Scope legen wir mit der Geschäftsleitung fest.
- 2 2–4 Wochen
Strukturierte Interviews
60–90-Minuten-Interviews mit Prozess-Verantwortlichen und Sachbearbeitenden – live am Bildschirm. Wir nehmen nicht auf, was der Vorgesetzte glaubt, sondern was tatsächlich passiert: woher Daten kommen, wann Excel oder Workarounds zum Einsatz kommen, wo Fehler und Rückfragen entstehen. Output pro Prozess: 1–2 Seiten mit Akteuren, Systemen, Entscheidungs-Punkten und Pain-Points.
- 3
Visualisierung mit BPMN-light
Aus den Interviews entstehen vereinfachte Swimlane-Diagramme: wer macht was (Lane pro Rolle), welche Systeme sind beteiligt, wo liegen Entscheidungs-Punkte, Medien-Brüche und Wartezeiten. Bewusst nicht die volle BPMN-2.0-Notation mit über 80 Symbolen – sondern 5–7 Standard-Symbole, die jede Geschäftsführung und jede Sachbearbeiterin lesen kann.
- 4
Schatten-IT-Inventur
Parallel inventarisieren wir die Schatten-IT: produktiv genutzte Excel-Tabellen, WhatsApp- und Teams-Gruppen zur Prozess-Koordination, private KI-Tools, inoffizielle Cloud-Speicher. Schatten-IT ist nicht per se schlecht – sie zeigt, wo offizielle Systeme Lücken haben –, aber sie ist ein DSGVO- und Compliance-Risiko und gehört in die Aufnahme.
- 5
Pain-Point-Matrix und Hand-Over
Output-Dokument (typisch 25–50 Seiten): Executive Summary, Prozess-Landkarte, BPMN-light pro Prozess, Pain-Point-Tabelle mit Häufigkeit, Aufwand und Priorität, Schatten-IT-Liste mit Risiko-Bewertung – plus Hand-Over-Meeting mit der Geschäftsleitung. Dieses Dokument ist die Basis für die Folge-Stufen.
Das Ergebnis-Dokument ist die Basis für die Folge-Stufen – Datenmanagement, Prozessoptimierung, Software-Auswahl und KI-Einführung.
So sieht das in der Praxis aus: Bei der KEYNES Planungsgesellschaft (rund 90 Mitarbeitende) begann die Digitalisierung mit einer vollständigen IST-Aufnahme aller Verwaltungs- und Buchhaltungsprozesse als BPMN-Modell – Medienbrüche und Optimierungspotenziale wurden sichtbar, bevor auch nur ein Tool ausgewählt war.
Optional – die Doke-Plattform
Bei größeren Projekten (50+ Mitarbeitende, viele Prozesse) arbeiten wir mit der Doke-Plattform für strukturierte Prozessaufnahme. Doke ist ein DACH-Tool, das speziell für die Prozess-Aufnahme im Mittelstand entwickelt wurde:
- strukturierte Interview-Templates
- direkte BPMN-light-Generierung
- Mitarbeiter-Self-Service-Aufnahme als Ergänzung zu Interviews
- Versions-Management
Bei kleineren Setups (bis 30 Mitarbeitende) reicht meist die klassische Interview-Aufnahme mit Lucidchart oder draw.io als Visualisierungs-Tool. Wir entscheiden das im Erstgespräch.
Was eine Prozessaufnahme kostet
Drei Paket-Größen decken die typischen Mittelstand-Bedarfe ab:
| Paket | Umfang | Brutto-Kosten | Mit Förderung Eigenanteil |
|---|---|---|---|
| Quick-Aufnahme | 3–5 Prozesse, 1–2 Abteilungen | 3.500–5.500 € | ab 700 € |
| Standard-Aufnahme | 8–12 Prozesse, 3–5 Abteilungen | 6.500–9.500 € | ab 1.300 € |
| Premium-Aufnahme | 15–25 Prozesse, alle Abteilungen + Doke-Setup | 12.500–22.500 € | ab 2.500 € |
Definition
Schatten-IT-Inventur
Förder-Mathematik konkret
Beispiel Standard-Aufnahme (Mittelwert 8.000 € brutto): Mit BAFA Modul 1 (in Thüringen-Ost 80 % bis 3.500 €) bis zu 2.800 € Zuschuss, kombiniert mit der Thüringer Beratungsrichtlinie (50 %, 475 €/Werktag) bei zwölf Beratungstagen bis zu 2.850 € – Eigenanteil nach Kombination rund 2.350 €. Voraussetzung ist die gegebene Förderfähigkeit (Mitarbeiter-Zahl, Branche, Bilanz); das prüfen wir im Erstgespräch.
- 3–8 Wochen
- typische Dauer einer Prozessaufnahme
- ab 800 €
- Eigenanteil mit Förderung (Quick-Aufnahme)
- 5–15
- zentrale Prozesse im typischen Scope
- 100+
- Mittelstand-Projekte als Erfahrungs-Basis
Quelle: z1Digital Projekt-Erfahrung, 2026
Wie sich Prozessaufnahme von Prozessoptimierung unterscheidet
Diese Trennung ist wichtig, weil Methoden, Tools und Stakeholder unterschiedlich sind:
| Phase | Ziel | Output |
|---|---|---|
| Prozessaufnahme (diese Seite) | Beschreiben, wie der Ist-Zustand wirklich aussieht | Ist-Dokument, BPMN-light, Pain-Points |
| Prozessoptimierung | Verbessern der aufgenommenen Prozesse | Soll-Prozess, Maßnahmen-Liste, Roadmap |
| Process Mining | Daten-gestützt die Prozess-Realität messen | quantitative Analyse aus Log-Daten |
Manche Beratungen mischen das. Wir trennen es – und kombinieren bei Bedarf. Mehr zur dahinterliegenden Reihenfolgen-Logik finden Sie in der Beratungs-Übersicht.
Weiterführend
- Datenmanagement – Stufe 2: Daten ordnen, bevor digitalisiert wird
- Prozessoptimierung – Stufe 3: die aufgenommenen Prozesse verbessern
- Process Mining erklärt – die daten-gestützte Sicht auf Prozesse
- BAFA-Förderung – wie wir die Aufnahme förderfähig machen
FAQ
Prozessaufnahme: häufige Fragen
Wie lange dauert eine Prozessaufnahme?
Wie stark stört die Aufnahme den Geschäftsbetrieb?
Warum keine vollständige BPMN-2.0-Notation?
Macht ein Process-Mining-Tool die Aufnahme überflüssig?
Was passiert mit den Pain-Points?
Welche Tools nutzt z1Digital für die Visualisierung?
Können wir nur eine Abteilung aufnehmen?
Müssen wir alle Mitarbeitenden interviewen?
Wer ist mein Ansprechpartner?
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Wissen Sie, wie Ihre Prozesse wirklich laufen?
Im kostenlosen 30-Minuten-Erstgespräch klären wir den Scope, schätzen Aufwand und Dauer und kalkulieren direkt die Förderung.